Samstag, 24. November 2012

Carlos Ruiz Zafón - Der Gefangene des Himmels

Genre: Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 403 Seiten
Verlag: Fischer Verlage
Erscheinungstermin: 25. Oktober 2012
ISBN: 978-3-10-095402-2


Er hat es also gewagt: Für den Fortsetzungsroman seines Zyklus um den "Friedhof der vergessenen Bücher" hat sich Bestsellergarant Carlos Ruiz Zafón an der direkten Weitererzählung seines Smashhits "Der Schatten des Windes" versucht. Zugegeben, als diese Information durchsickerte, bekam ich ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengegend, zählt der Roman doch zu meinen absoluten Lieblingen, und Fortsetzungen sind nun wirklich nicht immer ein Segen - das lehrt sowohl die Literatur- wie auch die Filmgeschichte. "Der Schatten des Windes", seiner Zeit der Auftakt zu Ruiz Zafóns düsterer Saga um die katalonische Hauptstadt Barcelona im letzten Jahrhundert, die Wirren, die Leiden und die Geheimnisse einer vom Krieg zerrütteten Metropole, war nicht ohne Grund ein absoluter Welterfolg. Die Gefahr nun, mit "Der Gefangene des Himmels", am eigenen Denkmal zu sägen, ist dementsprechend groß. Wie dem auch sei, nach "Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels" macht sich Ruiz Zafón also auf, seine, auf vier Teile angelegte Geschichte von Dunkelheit, Liebe und Gewalt weiterzuerzählen. 

Freitag, 23. November 2012

Paul Murray - Skippy stirbt!

Genre: Gegenwartsliteratur
Broschur im Schuber: 3 Bände, 782 Seiten
Verlag: Antje Kunstmann Verlag
Erscheinungstermin:10. Januar 2011
ISBN: 978-3-88897-700-8

"... Vielleicht bestehen die Dinge ja nicht aus Strings, sondern aus Geschichten, einer Unzahl winziger, vibrierender Geschichten, einst waren sie alle Teil einer großen, gigantischen Supergeschichte, bloß dass die in eine Zillion verschiedener Teile zerbrochen ist, deswegen ergibt keine Geschichte für sich einen Sinn, und deswegen musst du in deinem Leben versuchen, sie wieder zusammenzuweben, meine Geschichte in deine Geschichte, unsere Geschichten in die all der anderen Menschen, die wir kennen, bis du was hast, was für Gott oder sonst wen wie ein Buchstabe aussieht, oder sogar wie ein ganzes Wort ..." (Ghostland, Seite 773)

Genau das ist es, was Paul Murray in Skippy stirbt! macht: er webt Geschichten zu einer einzigen Supergeschichte. Ob diese für irgendwen einen Buchstaben oder Wort ergibt, das kommt darauf an, wie weit man sich als Leser darauf einlässt. Ich habe mich darauf eingelassen - zugegeben nach anfänglichen Zweifeln - und für mich ergab das Ganze mehr als nur einen Buchstaben.
Bevölkert werden die drei Bände - Hopeland, Heartland, Ghostland - von den unterschiedlichsten Personen. Hier findet sich alles. Vom ehemaligen Seabrook Rugbychampion, der durch einen Unfall seiner Karriere beraubt, jetzt in seiner alten Schule Lehrer und Schwimmtrainer ist, bis zu Ruprecht van Doren, Skippys  Zimmergenossen und übergewichtigen Freund, Mathematikass, genial, nach fremdem Leben im All suchend. Eins haben alle gemeinsam: Sprachlosigkeit und die damit einhergehende Unfähigkeit zur tiefer gehenden Kommunikation. Von pubertierenden Jungs kann man eine solche Fähigkeit nicht verlangen, sie sind zu sehr mit sich selbst und den Veränderungen in ihrem Umfeld beschäftigt. Noch dazu, wenn sie damit durch die offensichtlich komplett überforderten, nur vermeintlich erwachsenen Menschen um sie herum alleine gelassen werden. Ohne Ausnahme hat hier jeder sein Päckchen zu tragen.

Donnerstag, 22. November 2012

Stephen R. Donaldson - Der Schritt in den Konflikt: Die wahre Geschichte


Stephen R. Donaldson - Der Schritt in den Konflikt: Die wahre Geschichte
Genre: Science Fiction
Taschenbuch: 210 Seiten
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 1996
ISBN: 978-3453109384

 Wagner im All

Was haben Richard Wagner und Angus Thermopyle gemeinsam? Der eine ist laut Stephen Donaldson das "Geläufige", beim anderen handelt es sich um das "Exotische". Nur beides zusammen ergibt die für einen guten Roman unverzichtbare Mischung.

Für Donaldson ist Angus das Geläufige und lange lag sein Roman "Die wahre Geschichte" unveröffentlicht in des Autors Tresor, so sehr - ja - schämte sich Donaldson um seine Arbeit. Erst mit der Komponente des Exotischen konnte er seine Arbeit beenden und dies ist Richards Wagner Ring der Nibelungen. Der geneigte Leser möchte sich bitte nicht jetzt mit Grausen abwenden, sich an alle Wagnerschen Schandtaten und antisemitistischen Verknüpfungen erinnernd. So wird ihm eines der wichtigsten SF-Zyklen entgehen die in jüngerer Zeit geschrieben wurden. Und Donaldson bedient sich auch "nur" der eigentlichen Geschichte der Saga und nicht der pompösen und lauten Musik.

Allein pompös ist sein Amnion-Zyklus schon geworden, ganze 3500 Seiten im Deutschen sind es geworden.
Sein erster Roman "The Gap into Conflict" im Original, bringt es auf schlappe 214 Seiten und ist die Ouvertüre zu den folgenden Bänden. Doch schon hier ist die Kunst von Donaldson zu spüren, seine Art und Weise mikroscharf die Gedanken, Gefühle jedes Einzelnen schmerzlich dem Leser näherzubringen.
Aber auch seine famose Weise, die schriftstellerischen Physikmuskeln spielen zu lassen und uns realistisch ins Weltall zu entführen.

Schmerzlich sind die erlebten Gefühle unserer drei Helden Angus Thermpyle, Morn Hyland und Nick Succorso insofern, dass alle drei höchst bedenklich agieren und vollkommen unsympathisch wirken.
Nicht alleine die Namen geraten exotisch, Donaldson hat einen Hang zu extremen Charakteren die sich hier niederschlägt. Er bringt uns ihre Gründe, so und nicht anders zu reagieren, in diesem kosmischen Kammerspiel detailliert nahe. Das macht ihre Handlungen logisch, aber trotzdem unvorhersehbar und schafft eine innere kurz vor dem Zerreißen stehende Spannung, gerade weil auch die Akteure in einer höchst kritischen Situation zueinander stehen. Teilweise entsteht ein Sog der einen nicht mehr loslässt.

Die ersten paar Seiten erzählt Donaldson uns die Geschichte, wie sie jeder erlebt hat und wie sie auch in der Zeitung gestanden hätte. Angus Thermopyle, seines Zeichens alleinhandelnder und lebender Pirat, erscheint in der Bar der Raumstation mit einer wunderschönen Frau, Morn Hyland, die dem hässlichen Angus, widernatürlich, anscheinend vollständig zu Willen ist. Nachdem beide Nick Succorso treffen kommt es zu verschiedenen Ereignissen, die dazu führen dass Morn bei Nick ist und Angus im Gefängnis.
So weit zusammengerafft die Story, Donaldson beschreibt was die Leute glauben und dann erst fängt er an, uns die "wahre Geschichte" zu erzählen und läßt dabei einzig Nicks Part aus, beschränkt sich hauptsächlich auf Angus und Morn. Wie Morn in Gefangenschaft gerät, Angus sie als seine sexuelle Sklavin benutzt und beide in eine starke Abhängigkeit zueinander geraten, ist ein zentrales Thema.

Dienstag, 6. November 2012

Wolfgang Herrndorf - Tschick


Wolfgang Herrndorf - Tschick
Genre: Gegenwartsliteratur
Hardcover: 256 Seiten
Verlag: Rowohlt Berlin
Erscheinungstermin: 17. September 2010
ISBN: 978-3-87134-710-8


Anfänglich schwer in dieses Buch reingekommen, weiß ich zum Schluss nicht wirklich wie ich es einordnen, was ich davon halten soll. Ein Roadmovie, in dem zwei Vierzehnjährige mit einem geklauten, kurzgeschlossenen Lada durch die Gegend fahren, dabei eintdecken, wie schön Freiheit und Freundschaft sind und wie schnell diese eine für sie so wichtige und wunderbare Woche vorrüber ist.

Maik Klingenberg lebt mit seinen Eltern in Berlin, der Vater verkauft Immobilien, die Mutter trinkt. Er selbst ist so sehr daran gewöhnt, dass es ihm nicht wirklich etwas auszumachen scheint. Selbst empfindet er sich vor allem als langweilig. Oberflächlich gesehen - die Familie wohnt im Eigenheim mit Pool - gehört er zu den "Gewinnern" - auch wenn er sich selbst keineswegs dafür hält..

Zu dieser Gruppe gehört Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, nun schon gar nicht. Er wohnt in einem der Hochhäuser in Hellersdorf, erscheint des öfteren in der Schule offensichtlich stark alkoholisiert und ist ein ebensolcher Aussenseiter wie Maik.

Und genau das scheint es zu sein, was Tschick erkennt. Warum sonst sollte er mit dem geklauten Lada gerade bei Maik vor der Tür auftauchen und ihn auffordern, mit ihm auf Tour zu gehen. Maiks Eltern sind sowieso nicht zugegen - der Vater ist mit der "Assistentin" bei einem "Geschäftstermin", die Mutter auf der "Schönheitsfarm", sprich auf Entzug.
Und damit beginnt eine Tour, die allerhand Überraschungen und Erfahrungen mit sich bringt.

Sonntag, 4. November 2012

David Mitchell - Der Wolkenatlas

David Mitchell - Der Wolkenatlas
Genre: Gegenwartsliteratur
Broschiert: 672 Seiten
Verlag: Rowohlt
Erscheinungstermin: 01. November 2007
ISBN: 978-3-499-24036-2

Was lesen Sie am liebsten? Seefahrergeschichten? Historische Romane? Krimis? Humorvolle Gegenwartsliteratur? Düstere Dystopie? Oder sogar Fantasy, die darüber hinausgeht? Was wäre, wenn es ein Buch gäbe, das den Versuch unternehmen würde, all diese - uns zu Genüge bekannten - Genres des Literaturbetriebs miteinander zu verweben?

David Mitchell unternimmt genau diesen Versuch, indem er sechs scheinbare Einzelschicksale über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren miteinander verknüpft: Das Tagebuch eines Schiffsreisenden, die Briefe eines jungen, verlorenen Komponisten an einen Freund, die Geschichte einer Journalistin, verfasst im Stile eines Kriminalromans, die amüsante Odyssee eines in die Jahre gekommenen Verlegers, der auf der Flucht, unabsichtlich in die Fänge einer Vorhölle von Altenheim gerät, das Verhörprotokoll eines rebellierenden Klonmädchens und eine Lagerfeuererzählung aus einer martialischen, postapokalyptischen Welt. Das klingt verrückt und zusammenhangslos? Das ist es keineswegs. Eine Verbindung besteht immer. Sechs Geschichten: jede anders geschrieben, jede auf ihre Weise mitreißend, jede miteinander verbunden.

Samstag, 20. Oktober 2012

Jonas Winner - Der Architekt

Genre: Psychothriller
Gebundene Ausgabe: 379 Seiten 
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2010
ISBN: 978-3-426-51275-3

Ein überaus angesehener Architekt hat angeblich, seine Frau und seine zwei Kinder, auf blutige Weise ermordet. Dieses Ereignis weckt in dem mäßig erfolgreichen Drehbuchautor, Ben Lindenberger, die Inspiration und die Leidenschaft für einen eventuellen Neuanfang. Mit vollem Elan und Tatendrang startet er in sein neues Projekt, dass nur in Zusammenarbeit mit dem in Untersuchungshaft sitzenden Architekten, Julian Götz, fruchten kann. Allerdings scheint Ben einige Situationen zu unterschätzen, denn plötzlich ist er in Gegebenheiten verstrickt, die so gar nicht zu Ben und seinem Vorhaben passen.

Der Debütroman von Jonas Winner, “Davids letzter Film”, konnte mich nicht wirklich überzeugen, obwohl die Idee sehr interessant war, die Umsätzung aber leider nicht. Daher war ich bei seinem zweiten Buch etwas skeptisch, was zu Beginn des Thrillers auch berechtigt war. Erst die zweite Hälfte, beziehungsweise das letzte Drittel, kann mit relativ gut durchdachten Handlungssträngen trumpfen. Wenn auch ab und zu gewisse Teile die Spannung dämpfen oder den Lesefluss schmälern.

Freitag, 5. Oktober 2012

Robert Frost - Promises to keep: Poems. Gedichte


Robert Frost - Promises to keep: Poems. Gedichte
Genre: Lyrik
Broschierte Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: C.H. Beck
Erscheinungsdatum: 19. September 2011
ISBN: 978-3-406-62777-4



Einen Gedichtband rezensieren? Hm. Ich will ehrlich mit Euch sein: Es ist nicht einfach für mich, am Abend in meinem Bett zu liegen und Gedichte zu lesen, ohne dabei einzuschlafen. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Banause, der stets den leichten Weg bevorzugt und die Interpretationsaufgabe der Abiturprüfung verschmäht hat, aber es fällt mir wesentlich schwerer, einen Zugang zu Lyrik zu bekommen, als zu einem Roman. Ich hielt es eigentlich mit den Gedichten wie mit Galerien oder dem Theater: Ich respektiere sie, finde sie bewundernswert und gehe nicht hin. Mal davon abgesehen, dass so viele Wichtigtuer dort sind. Oft empfinde ich eine zu große Demut, eine Unzulänglichkeit, gegenüber dieser hohen Kunst, die mir das Gefühl gibt, ihr partout nicht gerecht werden zu können. Und, wie gesagt, es tummeln sich zu viele Wichtigtuer.  

Doch selbst wenn meine Welt sonst von Romanen geprägt ist, bin ich mir der Tatsache bewusst, dass man nie auf einem Auge blind sein sollte - gerade, wenn die Gefahr besteht, etwas Großartiges zu versäumen. Jemandem nun einen Gedichtband von Robert Frost zu empfehlen, ist, als wollte man einen Menschen von den Zeitnehmer-Qualitäten einer Uhr überzeugen - schließlich ist Frost einer der bedeutendsten Lyriker der letzten hundert Jahre. Ich weiß nicht mehr, auf wie vielen ersten Seiten, und wie vielen Filmen ich Robert Frost schon begegnet bin, bevor ich mir tatsächlich seine Gedichte zu Gemüte geführt habe.

Sonntag, 23. September 2012

Hjorth & Rosenfeldt - Die Frauen, die er kannte

Genre: Krimi
Gebundene Ausgabe: 726 Seiten 
Verlag: Rowohlt Polaris
Erscheinungsdatum: August 2012
ISBN: 978-386252206

Dem Profiler und Psychologen, Sebastian Bergman, plagt zu Beginn des Romans die Langeweile und über die ganze Geschichte Trauer. Diese versucht der promiskuitive Protagonist, mit ständig wechselnden Liebschaften zu umgehen und stalkt desweiteren noch seine Tochter, die aber nicht weiß, dass Sebastian ihr Vater ist.
 

Sebastian würde gern wieder, wie früher, mit der Polizei zusammen arbeitet. Doch aufgrund seines miesen Charakters will ihn dort nicht wirklich jemand sehen. Dann geschehen wiederholt Morde, nach immer dem gleichen Prinzip und wie es scheint, kann nur der Kriminalpsychologe diese Herausforderung meistern. Allerdings, erreicht das Geschehen, eine Tragweite mit der Sebastian und andere Charaktere nicht gerechnet hätten...

Da ein Kriminalpsychologe der Hauptprotagonist des Romans ist, bin ich davon ausgegangen, dass man eben auch im Buch einiges über Psychologie erfährt. Zumal auch durch unterschiedlichen Quellen, auf einen Psychologischen Touch hingewiesen wurde. Doch weit gefehlt, nur in kurzen Schüben kommt das Thema Psychologie zum Vorschein, was mich sehr enttäuscht hat.
 

Die ersten zweihundert Seiten kann man gänzlich vernachlässigen oder der Teil hätte gekürzt werden sollen. Denn hier werden die Person zwar ansehnlich dargelegt, jedoch zum Großteil mit vollkommen sinnlosen Passagen die nicht direkt etwas mit der Geschichte zu tun haben oder irgend einen erkennbaren Einfluss auf diese ausüben. Den ersten Band habe ich nicht gelesen (nach dem lesen des vorliegenden Bandes, habe ich es auch nicht vor), dennoch denke ich wird gerade während der ersten zweihundert Seiten, der erste Teil immer wieder reflektiert. Diese Tatsache ist zwar sehr angenehm, da man so das Buch trotzdem durchackern kann, aber mir sind es ein wenig zu viel Reminiszenzen die nicht unbedingt notwendig sind.

Dienstag, 18. September 2012

Leif Randt - Schimmernder Dunst über CobyCounty

Leif Randt - Schimmernder Dunst über CobyCounty
Genre: Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 191 Seiten 
Verlag: Berlin Verlag
Erscheinungsdatum: 6. August 2011
ISBN: 978-3827010278


Eine fiktive Stadt irgendwo im nirgendwo, in der alles formvollendet und schön ist und die Bewohner Spaß haben am treiben in CobyCounty teilzunehmen. Wim ist einer dieser Bewohner, und dennoch recht melancholisch gestimmt, der mit seinem besten Freund Wesley das pulsierende Leben in der Schönwetterstadt genießt und auf den Frühling wartet. Doch Wim weiß nicht so recht ob er diese Art zu leben auch wirklich will, ob ihn dieser möglicherweise hedonistische Lebensstil behagt. Fortan versucht Wim herauszufinden, welche Möglichkeiten die Existenz in einer solchen Welt noch für ihn offenbart.


Man findet sehr schnell in das Buch hinnein. Manchmal tauchen aber Sätze auf bei denen man nicht genau weiß, ob man sie richtig verstanden hat. Das vorwiegend wohl auch daran liegt, dass der Autor gerne mal ein paar Oxymorone einbaut und man erstmal etwas stutzt. Doch genau solche Mittel tragen zum fulminanten Schreibstil bei. Leif Randt schafft es eine ganz eigene Stimmung aufzubauen, der den Leser in die Gefühlswelt von CobyCounty einlullt, und auf die Story kommt es dabei gar nicht an. Zum Beispiel hat so gut wie jeder Satz am Ende eines jeden Kapitels, einen gewissen Charakter, eine gewisse Kraft in der Schriftsprache, die ich gar nicht zu beschreiben vermag.
Allerdings musste ich bei dem Buch oft an Musik denken. Viele Stücke bei denen die Stille nach dem letzten Ton einsätzt, hat man dieses Gefühl der Vollkommenheit, dass die Musik erst so richtig interessant macht. Solch ein Gefühl stellt sich auch im Text ein. Manchmal musste ich auch an Synkopen denken, doch das wäre jetzt zu weit hergeholt.
Ausserdem sind viele Sätze kurz gehalten, das für mich auf irgend eine Weise an der Form eines Tagebuchs erinnert.


Die Stadt CobyCounty ist Fiktion und man erfährt auch nicht in welcher Region sie liegen könnte und in welcher Beziehung der Ort zu anderen Gebieten steht. Aber den Bewohnern geht es gut und alle sind bester Laune. Dabei erinnert mich CobyCounty etwas an Ogygia, dort wurde Odysseus von bestimmten Pflanzen betört und hat die Umgebung als unglaublich bezaubernd wahrgenommen (wenn ich das richtig in Erinnerung habe).

Nicht nur der Inhalt ist eine Wonne, auch das Design und die gestalterische und drucktechnische Umsetzung ist makellos und überzeugend. Gänzlich in weiß und silber gehalten, wobei das Silber in die Vertiefung der Prägung gedruckt wurde. Allein wegen dieses haptischen Genusses ist der Kauf des Buches, gerade für Sammler, wünschenswert. Eine weitere Finesse bietet das Papier an sich, denn das hat eine attraktive Eigenschaft, die irgendwie das Gefühl von Feuchtigkeit in den Fingern weckt.

Donnerstag, 6. September 2012

John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter

John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Genre: Jugendbuch, Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten 
Verlag: Hanser Verlag
Erscheinungsdatum: 30. Juli 2012
ISBN: 978-3-446-24009-4

Ich will ehrlich mit Euch sein, ich kann Bücher wie dieses eigentlich nicht leiden: ein Mädchen, ein Junge, eine tödliche Krankheit, ein wuseliger und gehypter Autor mit einer Affinität für soziale Netzwerke und das Ganze dann auch noch aus der Jugendbuchabteilung, nein. Außerdem finde ich den deutschen Titel "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" schon mehr als nur dämlich - wofür Autor und Werk jedoch natürlich nichts können. Der Originaltitel "The Fault In Our Stars", eine Anspielung auf Shakespeares Julius Cäsar ("Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, durch die eig'ne Schuld nur sind wir Schwächlinge.") ist eine deutlich bessere Wahl.

Und doch: Zu den wunderbarsten Dingen im Leben eines jeden Lesers gehört es zweifellos, überrascht zu werden. Dass ein Buch wirklich gut ist, zeigt sich vor allem dann, wenn die Geschichte einen mitreißt, berührt und unterhält, obwohl Klappentext und Handlung völlig uninteressant anmuteten, als man es im Buchladen in den Händen hielt. Und eben das ist hier der Fall.