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Montag, 20. Oktober 2014

Peter Carey: Die Chemie der Tränen

Peter Carey: Die Chemie der Tränen
Genre: Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlage
Erscheinungstermin: April 2013
ISBN: 978-3-10-010237-9

Als der Kurator Matthew Tindall urplötzlich an einem Herzanfall stirbt, hinterlässt er eine Ehefrau, zwei Söhne und eine heimliche Geliebte. Catherine, eine auf alte Uhrenmechaniken spezialisierte Restauratorin Anfang vierzig, die gemeinsam mit ihm am Swinburne Museum, einem "fast unbekannten Schatzkästlein der Stadt London", arbeitete, ist diese Geliebte - und nun ist sie völlig allein; mit sich, ihrer schmerzenden Trauer und ihren Erinnerungen an eine jahrelange Affäre, die für sie - neben ihrer Arbeit - alles im Leben war. Von einem Tag auf den anderen ist für Catherine alles, aber auch wirklich alles aus den Fugen geraten. Lediglich einer ihrer Vorgesetzten am Museum scheint eingeweiht. Wissend um all das Elend und die Trauer im Verbogenen, betraut er Catherine, auch, um sie von alledem abzulenken, mit der aufwendigen Wiederinstandsetzung einer mysteriösen alten Apparatur, die ein englischer Gentleman namens Henry Brandling (der zweite große Protagonist dieses Romans) einst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts im Schwarzwald hatte bauen lassen, um seinem schwindsüchtigen Sohn in der Heimat ein Geschenk zu machen, das diesem wohlmöglich neuen Lebenswillen einhauchen würde. Catherine stürzt sich mehr und mehr in dieses neue Projekt, verschlingt die hinterlassenen Notizen und Pläne des Engländers und verliert so nach und nach, auch mithilfe des Wodkas, die Bindung zu allem, was sie einst hatte.

Montag, 8. September 2014

David Mitchell: Der dreizehnte Monat

Genre: Gegenwartsliteratur, Bildungsroman
Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: Februar 2009
ISBN: 978-3-499-24876-4

Ohne Umschweife: David Mitchell zählt für mich zu den besten Erzählern der gegenwärtigen Literaturlandschaft, und auch, wenn er mit seinem 2006 auf Deutsch erschienenen Episoden-Epos "Der Wolkenatlas" sicherlich sein bisheriges - und gerade durch die mit Tom Hanks verfilmte Version viel beachtetes - Meisterstück geliefert hat, ist dies eigentlich nur ein weiterer Grund, sich einmal mit dem übrigen Schaffen des Briten auseinanderzusetzen.

In "Der dreizehnte Monat" spielt sich diesmal nun jedoch das ganze Geschehen in einer einzigen Episode ab: das Jahr 1982 im Leben des 13-jährigen Jason Taylor aus Black Swan Green, Worcestershire, einem grauen Kaff in der Provinz der englischen West Midlands. Black Swan Green ist genau jenes England, das wir uns, zugegebenermaßen ein wenig oberflächlich, vorstellen, wenn wir versuchen, an alles Englische, jenseits des allmächtigen Londons, der mit Schornsteinen gespickten Industriemetropolen Manchester, Birmingham oder Liverpool, oder der kitschigen pilcheresken Idylle Cornwalls, zu denken. Black Swan Green in der Thatcher-Ära, das sind kleine Häuser mit Garten, Wind, Regen, Äcker und Wälder. Ein Nest, wie Mitchell eine seiner Romanfiguren zynisch bemerken lässt, indem man nie ein Einheimischer werden würde, wenn mich nicht schon seit den Rosenkriegen dort lebte.

Donnerstag, 7. August 2014

T. C. Boyle: Das wilde Kind

Genre: Erzählung
Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: Februar 2012
ISBN: 978-3-423-14065-2

Als 1779 in den Wäldern, nahe des südfranzösischen Dorfes Aveyron, ein nacktes und verwahrlostes Geschöpf gesehen wird, dass sich flink und fremd wie ein Tier im Unterholz bewegt, sind sich die Männer des kleinen Ortes erst einmal gar nicht so sicher, was es war, dass sie dort gesehen haben. Doch die Berichte häufen sich und die Gewissheit beginnt zu dämmern, dass es sich bei dem vermeintlich gottlosen Geschöpf um ein in den Wäldern ausgesetztes Kind handele, statt um einen Dämon oder ein Tier, wie auch vermutet wurde. Wenn nun auch mit etwas Zögern, man war sich sicher, dass es so etwas nicht geben durfte, jetzt, wo Frankreich im Aufbruch war. Schnell verbreitet sich die Nachricht vom Wolfskind im ganzen Land. Eilig beginnt man, sich des streunenden Kindes anzunehmen, es zu fangen und ihm einen Namen zu geben - entspricht dies doch der vermeintlichen Ordnung der Dinge. Das wilde Kind, so ist man sich einig, muss zivilisiert werden, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Doch der junge Victor, wie man ihn inzwischen genannt hat, sträubt sich mit jeder Faser seines geschundenen Körpers gegen das Leben, das ihm aufgezwungen werden soll.

Dienstag, 24. Juni 2014

Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Parnass

Genre: Erzählung
Taschenbuch: 96 Seiten
Erscheinungsdatum: März 2014
ISBN: 978-3-596-19882-5

Die Bücher und Geschichten Carlos Ruiz Zafóns waren schon immer als eine Art Liebeserklärung an die Literatur selbst zu verstehen, und daraus machte der spanische Bestsellerautor auch nie einen Hehl. Stets bediente er Zitate und Anspielungen auf die Großen der Zunft und webte vermeintlich klassische literarische Motive wie Liebe, Tod und Rache in die wohlig warme Flickendecke aus Mythen und Legenden um seine Heimatstadt Barcelona, das er in seinen Büchern gerne zu einer romantisch düsteren Festung, voll von Geheimnissen und Abenteuern, erhebt. Während die früheren Gehversuche Ruiz Zafóns im Fantasy- und Jugendbuchsegment der Literaturlandschaft noch eher unbemerkt blieben (und zwar nicht ganz zu unrecht), avancierten seine Romane um den mysteriösen "Friedhof der vergessenen Bücher" in Barcelona, angefangen mit dem wirklich großartigen "Der Schatten des Windes", dann zu internationalen Megasellern, die sowohl von ehemaligen deutschen Außenministern als auch von Heranwachsenden verschlungen wurden.

Mit "Der Fürst des Parnass" ist seit ein paar Wochen nun ein weiteres Puzzleteil aus Ruiz Zafóns Kosmos um den "Friedhof der vergessenen Bücher" auch auf Deutsch zu haben. Diesmal in Form einer kleinen, knapp neunzigseitigen Erzählung, die anlässlich des Welttages des Buches und zugunsten karitativer Zwecke im Fischer-Verlag erschienen ist. Bisher hatte ich stets den Standpunkt vertreten, dass man, anstatt sich den Nachfolgebüchern "Das Spiel des Engels" (2008), "Der Gefangene des Himmels" (2012) oder dem eigentlich älteren, in Deutschland jedoch erst später veröffentlichten, "Marina" (2011) zu widmen, lieber viermal hintereinander "Der Schatten des Windes" (2003) lesen sollte - von den anderen Büchern Ruiz Zafóns ganz zu schweigen. 

Dienstag, 25. Februar 2014

John Williams - Stoner

Genre: Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: September 2013
ISBN: 978-3-423-28015-0

William Stoner, der namensgebende Titelheld von John Williams dritten Roman, wird 1891 als Sohn einfacher Farmer in das provinzielle Herz des Mittleren Westens der USA geboren. Booneville, Missouri, das bedeutet ein tristes Leben in harter Arbeit auf dem Feld, Staub, Schmutz und die unnachgiebige feste Erde, die Jahr um Jahr, Generation um Generation die Lebensgrundlage der Familie Stoner gewesen ist. Es ist ein raues, ein ärmliches Leben hier draußen und jede Saison scheinen die Ernten schlechter und schlechter zu werden. Doch mit diesem Schicksal scheint hier kaum jemand zu hadern; dafür bleibt am Ende eines harten Tages auch schlicht zu wenig Zeit. Mit dem neuen Jahrhundert wehen dann jedoch auch neue Ideen von den Städten auf das Land herüber, und so beschließt Williams Vater, den jungen und überraschten Stoner nach dessen Highschool-Abschluss auf die staatliche Universität nach Columbia zu schicken, um Landwirtschaft zu studieren und so der kleinen Farm den Weg in die Zukunft zu ebnen. Ohne Bedenken fügt sich William in sein Schicksal - ebenso, wie er es gewohnt ist. In Columbia, an der University of Missouri, begegnet Stoner dann jedoch in einem eher nebensächlichen Einführungskurs seiner großen und ewigen Liebe: der klassischen englischen Literatur, der er fortan sein Leben widmen und bis zu seinem Tod treu bleiben wird.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Mary Miller: Süßer König Jesus

Genre: Gegenwartsliteratur, Coming-of-Age
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Metrolit
Erscheinungsdatum: September 2013
ISBN: 978-3-8493-0311-2

Schreibt man in den USA einen Roman über das Erwachsenwerden und die damit verbundenen Schwierigkeiten, so scheint es unumgänglich zu sein, nicht mit dem vermeintlichen Heiligen Gral der Coming-of-Age-Literatur, Salingers "Der Fänger im Roggen", verglichen zu werden - was in den meisten Fällen nicht nur unfair, sondern auch schwachsinnig ist. Doch diesem scheinbaren Naturgesetz entsprechend schreien es die Spatzen der Literaturszene bereits von den Dächern der Verlagshäuser und Medienanstalten: Mary Miller sei es nicht nur gelungen, einen weiblichen Holden Caulfield auferstehen, sondern ihn auch erneut die Wirren des Heranwachsens erleben zu lassen - in einem neuen, einem aktuellen Amerika, zwischen Wirtschaftskrise, gekränktem Stolz und religiösem Fundamentalismus. Millers Debütroman, "Süßer König Jesus", der im Amerikanischen übrigens den fantastischen Titel "The Last Days of California" tragen wird, ist jedoch wesentlich mehr als eine bloße Reminiszenz an einen altehrwürdigen Klassiker des zwanzigsten Jahrhunderts.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Joey Goebel: Vincent

Joey Goebel: Vincent
Genre: Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: April 2007
ISBN: 978-3-257-23647-7

In die Jahre gekommen und todkrank, blickt Medienmogul Foster Lipowitz zurück auf sein Leben, und stellt dabei fest, dass sein Imperium aus Verlagen, Kino-, TV- und Musikfirmen in den vergangenen Jahrzehnten wahrlich nichts als immer seichter werdende, gewalt- und pornografiegeschwängerte Wegwerfunterhaltung produziert hat, die tatsächlich nichts mehr mit vermeintlich richtiger Kunst gemein hat; Kunst, geschaffen für die Ewigkeit, statt bloßer Bedürfnisbefriedung eines anspruchslosen, müden und verdummten Publikums. Lipowitz selbst hat zu dieser Verdummung der Massen beigetragen, dessen ist er sich nun, am Abend seines Lebens, bewusst - und so will er keineswegs das Zeitliche segnen.

Mit unternehmerischer Akribie fasst der gealterte Magnat einen komplexen Plan, wie es gelingen soll, der Hochkultur ihren Weg in die modernen Medien der Unterhaltungsindustrie zu ebnen. Eine zweite Renaissance in Form von Kinofilmen, Popsongs und Fernsehserien soll herbeigeführt werden - durch eine neue, wahrhaft künstlerische Elite von Autoren. Um dies zu bewerkstelligen, setzt die zwielichtige, von Lipowitz gegründete, "New Renaissance" geheimniskrämerisch nicht nur auf eine umfassende Frühförderung hochbegabter Autorentalente, die im Rahmen einer Academy mitten im Nirgendwo - bereits von Kindesalter an - in den entscheidenden Disziplinen zu Songwritern und Drehbuchautoren ausgebildet werden, sondern vertritt außerdem den Ansatz, dass wahre und große Kunst nur von einem leidenden Künstler hervorgebracht werden kann. Und tatsächlich, wirft man einen Blick auf die Geschichte, so scheint es, als hätten viele der größten Künstler eine gewisse Portion dieser großen Traurigkeit gemein. Weltschmerz, unerwiderte Liebe, ein Leben in Armut, Sucht, Depression, Krankheit oder eine schwere und komplex-fördernde Kindheit scheinen die perfekten Zutaten für zeitlose Meisterwerke zu sein. Man denke nur an Chopin, Mozart, Van Gogh, Poe, Melville oder Wilde - die Liste könnte noch endlos weitergehen.

Freitag, 8. November 2013

Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel

Genre: Jugendbuch, Klassiker, Abenteuergeschichte
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Knesebeck
Erscheinungsdatum: Februar 2013
ISBN: 978-3-86873-572-7

Als ich vor ein paar Wochen diese Ausgabe von Stevensons Klassiker in die Hände bekam, vorsichtig den Schutzumschlag entfernte und die Prägung des Jolly Roger, also des Totenkopfes mit zwei gekreuzten Knochen, auf dem dunkelgrün ledrigen Buchdeckel erblickte, schoss die Vision einer fiktiven Zukunft vor mein inneres Auge: Während draußen ein düsterer Sturm über dem Meer tobt und die Wellen an die schroffe Küste peitscht, auf der mein kleines fiktives Haus steht, gehe ich mit genau diesem Buch im Arm über knarrende Dielen in das Zimmer meiner beiden fiktiven Kinder. Und dann möchte ich den Beiden aus genau dieser Ausgabe des legendären Abenteuerromans von 1883 vorlesen.

Nachdem das australische Illustratoren-Genie Robert Ingpen bereits mit illustrierten Neuauflagen von Jugendbuchklassikern wie "Der Zauberer von Oz", "In 80 Tagen um die Welt", "Alice im Wunderland" oder "Tom Sawyer" brillierte, die für den deutschen Buchmarkt ebenfalls im Hause Knesebeck erschienen sind, ist mit "Die Schatzinsel" nun auch ein weiteres Meisterwerk im Gewand dieser fantastischen Reihe erschienen. Und auch wenn es nach Blasphemie klingen mag: Ingpen ist so gut in seinem Handwerk, dass selbst diese völlig zurecht gerühmten Meilensteine der Weltliteratur von seinen Arbeiten profitieren, entwickeln die Geschichten, garniert mit den träumerisch detaillierten Gemälden Ingpens, doch noch einmal einen ganz neuen märchenhaften und romantischen Charme.

Montag, 4. November 2013

Sasha Grey: Die Juliette Society

Genre: Roman, Erotik
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Heyne 
Erscheinungsdatum: 23. September 2013
ISBN: 978-3-453-26886-9
 
Ich will gar nicht lang um den oft zitierten heißen Brei herumreden. Eigentlich sollte man Sasha Grey dankbar sein, denn mit "Die Juliette Society" ist der ehemaligen Porno-Actrice ein Denkmal, nein, was sag ich, ein Mahnmal gelungen, erinnert es uns doch schmerzhaft an vieles, das Literatur nicht sein sollte. Jetzt immer nur auf der Vergangenheit Marina Hantzis, so Greys bürgerlicher Name, herumzureiten, mag unfair erscheinen, aber es entspricht doch schließlich genau dem Kalkül, welches sich die Autorin, ihr Management und ihre Verleger selbst zu eigen machen, denn ohne die Pornovergangenheit Sasha Greys hätte diese Sammlung an Papierverschwendung vermutlich nicht einmal einen Platz in der Kummer gewohnten Erotikliteraturlandschaft gefunden.

Sasha Grey mag, gemessen an den meisten ihrer ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, sicherlich etwas Besonderes sein, interessiert sie sich doch so herzzerreißend für Filmgeschichte, beschäftigt sich mit Philosophie, liest fast ununterbrochen und vergöttert avantgardistische Musik vergangener Jahrzehnte. Der Kunst, der Kunst, ja der Kunst habe sich dieser gebildete Sonderling im Körper eines scharfen Dirty-Girls verschrieben. Und auch ich habe ihr geglaubt, als der Rolling Stone vor ein paar Jahren Sasha Grey mit einem Interview und einer Feature-Story mit einem weltweiten Publikum bekannt zu machen versuchte.

Dienstag, 9. Juli 2013

Adam Johnson - Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Genre: Roman, Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 687 Seiten
Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsdatum: März 2013
ISBN: 978-3-518-46425-0

Während wir schon wieder mit festen Schritten auf das Jahr 2014 zu gehen, scheint es in einem Land der Welt auf ewig 1984 zu bleiben: Nordkorea - nur tatsächlich eher im orwellschen Sinne als unserem Verständnis der Achtziger entsprechend, denn den Menschen dort scheint es an allem zu fehlen: In maroden Wohnblocks, ohne fließend Wasser und Strom, leben die Bürger der Demokratischen Volksrepublik Korea in einer Welt zwischen Hunger, Elend, Gehorsam und Propaganda, abgeschottet vom Rest der Erde, regiert vom geliebten Führer. Was für uns wie eine sozialistisch-diktatorische Dystopie anmutet, ist für die Bürger Nordkoreas bittere Realität. Hier steht die Zeit still und der Zusammenbruch des Ostblocks und vieler anderer kommunistischer Staaten hat die politische Führung in Pjöngjang nur noch paranoider, noch rigoroser gemacht und trieb sie nur noch weiter in die Isolation, während die Bevölkerung mit Lügen statt mit Lebensmitteln versorgt wurde. Wenn solch ein politisches System nun über so viele Jahre Bestand hat, dann wachsen ganze Generationen wie unter der Käseglocke der Propaganda auf; manche Lügen sind so alt, dass sie scheinbar zu Wahrheiten geworden sind. Wie sollten die Menschen denn auch von anderem erfahren in einer Welt ohne freie Medien, Internet oder Kontakte nach außen? Hier ist nur das wahr, was die Partei und die Familie der Kims auch für wahr befinden.

In diese Welt wird Pak Jun Do geboren. Als vermeintlicher Sohn eines Waisenhaus-Direktors wächst er ebenso grausam und spartanisch wie die anderen Kinder im Haus "Frohe Zukunft" auf: Hungersnöte, Kälte und gefährliche Kinderarbeit stehen an der Tagesordnung. Ausgestattet mit dem Namen eines Revolutionshelden, was eher Stigma als Ehre ist, stehen die elternlosen Kinder an der Schwelle zur Ungewissheit und landen oft, wenn sie überhaupt irgendwo landen und nicht schon vorher sterben, beim Militär - so auch Jun Do. In der vollkommenen Dunkelheit der Tunnelsysteme im Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea wird er ausgebildet und auf den Ernstfall, die Invasion der imperialistischen Aggressoren, vorbereitet, bis eines Tages ein hochrangiger Militär Jun Dos Einheit inspiziert und einen Spezialauftrag für den Jungen hat, den alle für einen Waisen halten. Jun Do stolpert von Zufall zu Zufall und wird doch immer tiefer in das dunkle Herz Nordkoreas gezogen, bis der Niemand aus der Provinz schließlich dem geliebten Führer, Kim Jong-il, selbst gegenübersteht. Doch der abenteuerliche Verlauf seines Lebens hat Jun Do bereits von einer Wahrheit jenseits aller Propaganda überzeugt. Es entbrennt ein atemraubender Showdown um Identität, Freiheit und die große Liebe.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Florian Meimberg - Auf die Länge kommt es an

Genre: Kurzgeschichten
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: Fischer
Erscheinungsdatum: November 2011
ISBN: 978-3-596-19237-3

"Tiny Tales", so nennt Florian Meimberg seine Mikroprosa im Twitter-Format, das heißt: Keine seiner Kurzgeschichten enthält mehr als 140 Zeichen - also exakt das Textfenster, das der beliebte Social-Media-Dienst seinen Nutzern für ihre Nachrichten an die Welt zur Verfügung stellt. Und schon zwitschern es auch Spatzen von den Dächern: Eine neue Literaturform ist geboren, Haikus für die Generation @ (Sagt man das noch?), Literatur 2.0. Inzwischen ist Meimberg gar mit dem renommierten Grimme-Preis (Modern: Grimme-Online-Award in der Kategorie "Spezial") ausgezeichnet und von allen erdenklichen Seiten mit Lob und Applaus bedacht worden. Doch kann eine solch runtergebrochene Form der Literatur wirklich so verflucht toll sein, wie alle sagen - auch noch ein paar Jahre nach dem Hype? Und es überrascht mich selbst: Sie kann!

Dienstag, 4. Juni 2013

Kathrine Kressmann Taylor - Adressat unbekannt

Genre: Gegenwartsliteratur, Briefroman
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Erscheinungsdatum: August 2012
ISBN: 978-3-455-40415-9

Die beiden Freunde Max Eisenstein und Martin Schulse führten bis vor Kurzem eine gut laufende Kunstgalerie in San Francisco, doch Schulse hat sich dazu entschlossen, wieder nach Deutschland, in sein Heimatland, überzusiedeln: Er und seine Familie ziehen nach München. Doch man verliert natürlich nicht den Kontakt; es gilt Geschäfte und eine Freundschaft am Leben zu halten in einer immer kleiner werdenden Welt. Es ist das Jahr 1932 und langsam beginnt sich auch das politische Machtvakuum in Deutschland, auf verhängnisvolle Weise zu füllen: Eine grausame Zukunft wirft ihre Schatten voraus. Und mit der Machtergreifung Hitlers und dem beginnenden Siegeszug des Nationalsozialismus wird auch die Freundschaft zwischen Schulse und dem Juden Eisenstein auf eine harte Probe gestellt.

Samstag, 1. Juni 2013

Richard Yates - Eine gute Schule

Genre: Gegenwartsliteratur, Coming-of-Age-Roman
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: DVA
Erscheinungsdatum: September 2012
ISBN: 978-3-421-04394-8

William Grove ist weder aus besonders gutem Hause noch zeichnet er sich durch überdurchschnittliche Intelligenz aus. Umso überraschender ist es schließlich, dass der fünfzehnjährige Grove, Anfang der 40'er Jahre, ein Stipendium an der Dorset Academy, einer elitär anmutenden Privatschule in Neuengland, erhält. Doch der erhoffte soziale Aufstieg bleibt aus: Die Kinder der Reichen wittern Groves Herkunft trotz Schuluniform und schmähen ihn als "Zigeuner". Der schlaksige und etwas ungepflegte Junge ohne nennbares Talent hat keinen besonders leichten Start an der Dorset. Aber auch andere Mitglieder der Schule haben Probleme: Da wäre zum Beispiel der behinderte Chemielehrer, Jack Draper, der, während dessen Frau ihn mit dem Französischlehrer betrügt, immer mehr in Alkohol und düsteren Gedanken versinkt - oder Knoedler, der Schulleiter, den niemand so richtig zu mögen scheint und der die meiste Zeit des Jahres gar nicht in der Schule verweilt, sondern vielmehr Hausbesuche macht und mit Stipendien um sich wirft. Oder der Golden Boy der Schule, Larry Gaines, dessen junge Liebe zu Edith Stone, der Tochter des emotional erkalteten Englischlehrers, unter den bösen Vorzeichen der Zukunft steht, denn neben der prekären finanziellen Situation der etwas provinziellen Dorset Academy, greifen die Dämonen des Weltkrieges immer mehr um sich.

Montag, 27. Mai 2013

Nick Dybek - Der Himmel über Greene Harbor

Genre: Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Mare
Erscheinungsdatum: Februar 2013
ISBN: 978-3-86648-160-2

Loyalty Island, das ist Wind, Regen, der Geruch von Fisch, Salz und Seetang - und es ist die Heimat des jungen Cal, der als Sohn eines Fischers im Panorama eines stürmischen, dunklen Ozeans aufwächst. Cal ist vierzehn Jahre alt und wartet nur darauf, selbst mit den Männern in See zu stechen, wie sein Vater. Doch seine Mutter ist dagegen. Das Verhältnis der Eltern ist zerrüttet und von Einsamkeit und Gefahr geprägt, was jedoch nichts Besonderes in dieser Ecke der Welt ist. Das gesamte Leben auf der kleinen Halbinsel im Bundesstaat Washington ist auf eines ausgerichtet: den Fischfang. Daneben hat nicht viel Platz. Er ist die Hauptschlagader des einfachen Lebens und allgegenwärtig; Jahr für Jahr machen sich die Männer des Ortes im Herbst mit ihren Schiffen auf in die zerstörerische Beringsee Alaskas, um am Abgrund der Welt das Geld für den Rest des Jahres zu verdienen. Jeder Job und jedes Leben hier scheint irgendwie mit der Fischerei verknüpft, und so ist die Aufregung auf Loyalty Island auch nur nachvollziehbar, als John Gaunt, der reichste Mann der Gegend und noch dazu der Besitzer der wichtigen Fanglizenzen, der Fabriken und der gesamten Fangflotte, stirbt. Das Schicksal und die Existenzen aller scheinen nun in den Händen des einzigen Erben zu liegen: Gaunts eigenwilligen und verantwortungsscheuen Sohn, Richard, der nicht im Traum daran zu denken scheint, an das Leben seines Vaters anzuknüpfen, sondern stattdessen lieber alles zu verkaufen droht und die Einwohner Loyalty Islands somit ihrem kläglichen Schicksal zu überlassen. Und das, kurz vor Beginn der Fangsaison.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Heinz Strunk - Junge rettet Freund aus Teich

Heinz Strunk - Junge rettet Freund aus Teich
Genre: Gegenwartsliteratur, Coming-of-Age-Literatur
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt
Erscheinungstermin: März 2013
ISBN: 978-3-498-06426-6

Hamburg-Harburg, Mitte der sechziger Jahre. Hinter gepflegten Vorgärten und verputzten Reihenhausfassaden verbergen sich tragisch-routinierte Familiengeschichten, eingeknickte Lebensläufe und tiefe Schicksale, aber eben auch die vermeintliche Unbeschwertheit einer Kindheit, wie sie fast überall und in jeder Zeit zu finden ist. In dieser Kulisse von Garagenbolzplätzen und Gartenhecken wächst Heinz Strunk alias Mathias Halfpape auf. Mit seiner Mutter lebt der sechsjährige Mathias bei seinen Großeltern in der Siedlung und schildert das Leben eben so, wie es ein Sechsjähriger erzählen würde: Freundschaften und Streitereien mit den Jungs aus der Gegend, die nervöse Vorfreude auf den ersten Schultag, das gute Essen der eigenen Oma und die Sicht auf eine Mutter, die im Leben festzustecken scheint. Es ist die wunderbar leichte Sichtweise eines Kindes auf Dinge, die weit schwerer wiegen im Alter. Strunk beschreibt genau die Zeit in unserem Leben, als Freizeit noch am Vormittag begann, die Luft von dem Geruch frisch gemähten Rasens erfüllt war, Erwachsene entweder Schurken oder souveräne Helden waren und die meisten Sorgen nach kurzer Zeit von allein wieder verschwanden.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Edgar Allan Poe - Das verräterische Herz und andere unheimliche Geschichten

Genre: Comic/Jugendbuch/Klassiker
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Knesebeck
Erscheinungstermin: März 2013
ISBN: 978-3-86873-505-5

Irgendwo in den Tiefen meiner Erinnerung gehe ich durch einen düsteren, abendlichen Thüringer Wald - zurück zu dem kleinen Ferienhäuschen, in dem ich in diesem Sommer die Ferien verbrachte. Neben mir geht mein Großvater und verstärkt die ohnehin schon düstere Atmosphäre eines Waldes beim Anbruch der Dunkelheit durch ein paar schaurige Geschichten. Eine dieser Geschichten war die eines Mannes, der in einem alten und finsteren Haus einen grausamen Mord begeht. Die Leiche des Opfers wird der skrupellose Mörder dadurch los, dass er sie unter die Dielen eines der düsteren Salons bettet. Doch dann, als der Mörder anfängt, sich sicher zu fühlen, beginnt ein Herz unter dem alten Holzfußboden erneut zu schlagen. Bumm-Bumm, Bumm-Bumm.

Die Bilder, die dies in meiner Fantasie hervorrief, erschütterten mich bis ins Mark. Wieder und wieder musste ich an das verräterische Pochen aus der Dunkelheit denken - so lange, bis ich es beinahe selbst zu hören glaubte. Und gerade hierin liegt der kritische Punkt: Kann es gelingen, die schauderlichen Geschichten Edgar Allan Poes durch Illustrationen wirklich zu bereichern oder ist in diesem speziellen Falle doch die Feder unserer guten alten Fantasie die bessere Wahl? Denn diese Ausgabe ist mehr Comic als Geschichtensammlung und steht auch dazu. Der Fokus liegt eindeutig auf den Illustrationen dieser nur vier Geschichten starken Ausgabe. Die Leidenschaft des Zeichners, Gris Grimly, für das Horror-Genre und das schaurige, viktorianische England ist dabei so unübersehbar wie die, des Filmemachers Tim Burton. Und doch liegen Welten zwischen ihnen. Grimlys überspitzte und teilweise fast vulgäre Zeichnungen kämpfen auf verlorenem Posten, so bemüht sie auch seien mögen, denn den Geschichten und der Magie Edgar Allan Poes werden sie nicht im Geringsten auch nur in irgendeiner Weise gerecht - und können es vielleicht auch gar nicht werden. Es ist, als machten sich die Disney-Studios dazu auf, Salingers Fänger im Roggen oder das Leben Charles Bukowskis in Form eines Zeichentrickfilms zu präsentieren. Was am Ende herauskommt, wirkt eher wie ein Haufen deplatzierter Karikaturen, statt die coole, düstere und verwegene, wie sagt man, Graphic Novel zu sein, die diese Ausgabe wohl gern wäre. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, Grimly in irgendeiner Weise Frevel am Altmeister vorzuwerfen, aber gelungen ist das hier sicher nicht. Natürlich, es wird Menschen geben, die diese Ausgabe mögen, weil sie diese möglicherweise für innovativ, stilvoll oder einfach nur passend befinden, aber es soll auch Leute geben, die etwa Natascha Ochsenknecht für sympathisch, Paulo Coelho für geistreich oder Till Schweiger für einen Schauspieler halten.

Dienstag, 26. März 2013

J.R. Moehringer - Knapp am Herz vorbei

Genre: Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Erscheinungstermin: Februar 2013
ISBN: 978-3-10-049603-4

Die Wirtschaftskrise, die nächste große Depression, sie bringt die Menschen an den Rande des Wahnsinns: Die Arbeitslosenzahlen schießen in die Höhe, Existenzen scheitern aus dem Nichts, von heute auf Morgen leiden Menschen Hunger, deren Leben eben noch in geregelten Bahnen verlief - und das mitten im Herzen der westlichen Zivilisation, in New York City. Und so ist auch nur allzu verständlich, dass der Hass auf ein System wächst, indem die Verantwortlichen für die Misere und das wachsende Elend der armen Bevölkerung, nämlich die Bankiers, Vorstandsvorsitzenden und hohen Tiere des Finanzwesens, einfach so, unbeschadet und problemlos mit ihren kapitalen Fehlern davon kommen, während eine Mehrheit von weniger Privilegierten leidet. Zähneknirschend und hilflos muss dabei zugesehen werden, wie die J.P. Morgans und Rockefellers dieser Welt reicher und reicher werden, und dabei die Fäden in einem längst ungerecht gewordenen Gesellschaftssystem ziehen, dessen Krebsgeschwür, für alle sichtbar, die Welt der Banken ist. Nun sind Wirtschaftskrisen und die Auswüchse des Bankenwesens, wie man inzwischen, ob der Omnipräsenz des Themas, fast schon vergessen mag, ja natürlich nicht nur ein Phänomen des 21. Jahrhunderts, sondern bedrückten bereits im Verlauf des beginnenden letzten Jahrhunderts die Seelen der Menschen.

In einem solchen Klima wächst auch der irischstämmige William Sutton im New Yorker Stadtteil Brooklyn, als Sohn eines Schmieds, auf. Nach der Schule scheinen nur zwei Dinge klar zu sein: Die Jobs sind rar und die Perspektiven knapp. Ergattert er, oder einer seiner besten Freunde, Happy und Eddie, dann mal einen der wenigen verfügbaren Jobs, so ist dieser lediglich von kurzer Dauer, da immer bereits die nächste Krise vor der Tür steht und Willie und seine Freunde wieder in die dreckigen Straßen ihres Viertels verfrachtet. Man hat sich fast an die vielen Niederlagen gewöhnt und erträgt diese mit Humor, bis sich plötzlich alles ändert. Als Willie und seine Freunde eines Abends ihre Zeit im flackernden Licht des Vergnügungsviertels Coney Island totschlagen, begegnet er der jungen Bess und verliebt sich Hals über Kopf. Das Problem: Bess ist ebenso hübsch, wie ihre Familie reich ist - und ihrem Vater genügt ein einfacher Junge aus Irish Town natürlich nicht im Geringsten.

Sonntag, 24. Februar 2013

Jules Verne - In 80 Tagen um die Welt

Jules Verne - In 80 Tagen um die Welt
Genre: Jugendbuch, Klassiker
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Knesebeck
Erscheinungsdatum: August 2012
ISBN: 978-3-86873-491-1

Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder Autoren, die ihrer Zeit nicht nur voraus waren, sondern die sogar beinahe den Eindruck erwecken, sie hätten die Zukunft maßgeblich mit beeinflusst. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass diese Autoren oft dem Science-Fiction-Genre entstammen. Bei diesen vermeintlichen literarischen Propheten zeigt sich deutlich, warum unsere Möglichkeiten in den meisten Fällen so weit reichen wie unsere Vorstellungskraft. Jules Verne war zweifellos einer dieser Autoren. Vor genau 150 Jahren begann der französische Schriftsteller damit, die Heerscharen seiner Leser auf wilde Streifzüge und Abenteuer durch unbekannte Länder und Welten mitzunehmen. In seinen Geschichten beschrieb er atemberaubende Maschinen, exotische Geschöpfe und den Geist der damals letzten großen Geheimnisse unserer Welt. Seine Fantasien trugen uns auf den Grund der Ozeane, ins Weltall und zum Mittelpunkt der Erde selbst - immer spannend, begeisternd und verblüffend zugleich.

In einer seiner bekanntesten Erzählungen berichtet Jules Verne von einem exzentrischen englischen Gentleman namens Phileas Fogg, welcher mit den ehrenwerten Mitgliedern seines Londoner Herrenclubs wettet, dass es ihm gelingen würde, die ganze Welt zu umrunden - und zwar in nur 80 Tagen - damals eine absolut aber- wenn nicht sogar wahnwitzige Mission. Den Abenteurer belächelnd, willigen die elitären Herren ein, Fogg, im Erfolgsfall, eine Summe von 20'000 Pfund Sterling zu bezahlen. Keine Zeit verschwendend, machen sich Fogg und sein Diener, Passepartout, auf den Weg nach Suez, als ungefähr zur selben die Bank of England überfallen wird. Der Abenteurer und sein Diener geraten nun plötzlich, ob ihrer hastigen und außergewöhnlichen Reise, in das Visier des Ermittlers Fix, welcher sich augenblicklich, in Suez, an ihre Fersen heftet. Es entbrennt eine rasante Jagd gegen Zweifel, Gefahren und, natürlich, die Zeit, bei der es nicht unbedingt um Profit geht (schließlich sind die Reisekosten auch nicht unerheblich), sondern vielmehr darum, etwas über die Welt und sich selbst zu lernen - und zwar lange vor den dekadenten Eskapismus-Pilgerphantasmen fettgefressener Großstädter.  

Montag, 4. Februar 2013

Paulo Coelho - Der Alchimist

Genre: Gegenwartsliteratur
Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: März 2008
ISBN: 978-3-257-23727-6

Ich habe es gewagt! Nach Jahren, in denen ich Coelhos Weltbesteller "Der Alchimist" schändlich ignorierte und in den Buchhandlungen meines Vertrauens links liegen ließ, war es nun doch an der Zeit, mich mit diesem vermeintlichen Klassiker der Gegenwartsliteratur auseinanderzusetzen. Immerhin wusste ich auch nicht einmal so genau, was es war, dass mich bisher davon abgehalten hat, Coelho zu lesen. Irgendetwas muss das brasilianische Literatur-Schwergewicht ja an sich haben, zählt er doch immerhin zu den meistgelesenen Autoren unseres zauberhaften Planeten.

Ich ging also mit entsprechend hohen Erwartungen an die Geschichte um den jungen andalusischen Schafshirten Santiago heran, der zweimal vom selben, aufwühlenden Traum heimgesucht wird: Ein kleines Kind zeigt ihm den Weg zu einem Schatz, am Fuße der Pyramiden von Gizeh, Tausende Kilometer von den vertrauten Weidelanden seiner Schafe entfernt. Als sich wenig später ein mysteriöser Fremder zeigt, der sich als König von Salem vorstellt und erstaunlicherweise so ziemlich alles über das Leben des jungen Santiago zu wissen scheint, und diesem anschließend auch noch rät, seine Herde zu verkaufen und sich tatsächlich auf die Suche nach dem Schatz am Fuße der Pyramiden aufzumachen, begibt sich der junge Hirte wahrhaftig in die Hände des Schicksals.

Donnerstag, 24. Januar 2013

L. Frank Baum - Der Zauberer von Oz

L. Frank Baum - Der Zauberer von Oz
Genre: Kinderbuch
Gebundene Ausgabe: 193 Seiten
Verlag: Knesebeck
Erscheinungstermin: August 2011
ISBN: 978-3-86873-363-1


Eigentlich ist es müßig, jemandem - jetzt noch - L. Frank Baums "Der Zauberer von Oz" ans Herz legen zu wollen. Natürlich ist die, vor mehr als einhundert Jahren veröffentlichte, Geschichte um das junge Mädchen Dorothy Gale, dessen Haus von einem schrecklichen Wirbelsturm erfasst wird, welcher sie und ihren kleinen Hund Toto auf wundersame Weise von der grauen Steppe Kansas' in ein farbenfrohes, fantastisches Land, irgendwo über dem Regenbogen, verfrachtet, hinlänglich bekannt. Weltweit sind inzwischen mehrere Generationen mit der Geschichte der jungen Dorothy, deren sehnlichster Wunsch es doch nur ist, wieder nach Hause zu finden, aufgewachsen. Selbst, während sich die Welt in zwei Lager teilte, eroberte eine rote Adaption des Klassikers die Herzen der Kinder in der Sowjetunion. Natürlich hat auch die, inzwischen selbst zum Klassiker gewordene, Verfilmung mit Judy Garland aus dem Jahre 1939 ihren Teil zur Popularität der Geschichte um Dorothy und ihre Freunde, die Vogelscheuche, den blechernen Holzfäller und den feigen Löwen, beigetragen. Was für uns also die Märchen der Gebrüder Grimm sind, ist "Der Zauberer von Oz" für den amerikanischen Raum.